Seite druckenGeschichtskurs im Ostpreußischen Landesmuseum (12. September 2018)

1. Schülerbericht über einen Vortrag von Michael Wieck: "Aus der Geschichte lernen"
 
Am Mittwoch, den 12. September 2018, besuchten wir, der Geschichtskurs auf erhöhtem Niveau bei Frau Flügge, einen Vortrag im Ostpreußischen Landesmuseum Lüneburg. Michael Wieck, ein neunzigjähriger Zeitzeuge u.a. des Zweiten Weltkriegs und Autor des Buches ,,Zeugnis vom Untergang Königsbergs“, erzählte an diesem Abend seine Geschichte.
Wieck wurde 1928 in Königsberg (Heutiges Kaliningrad) geboren. Er war Sohn von zwei Mitgliedern des Königsberger Streichquartetts. Seine Mutter war Jüdin und Wieck wurde im jüdischen Glauben erzogen. Dies machte ihn und seinen Vater ab 1933 zu so genannten ,,Geltungsjuden“. Während des NS-Regimes musste Wieck u.a. Zwangsarbeit in einer Chemiefabrik verrichten und er trug die ganze Zeit seinen Judenstern, welchen er bis heute aufbewahrt hat. Wieck erklärte in seinem Vortrag, dass er gesehen hatte, dass jeder Mensch zu Bösem fähig ist und dass dieses Böse nur mit Liebe zu bekämpfen sei. Er appellierte ebenfalls an die jüngeren Generationen, bezog sich dabei auf einen anderen Menschen aus Königsberg, auf Immanuel Kant und dessen Schrift „Zum Ewigen Frieden“. Außerdem warnte er sein Publikum vor den aktuellen politischen Entwicklungen. Es habe solch eine Veränderung in der Politik schon einmal 1933 gegeben und dies könnte in der Neuzeit auch wieder passieren. Am Ende seiner Rede zitierte er Karl Kraus mit den Worten: ,,Wer in der Demokratie schläft, muss sich nicht wundern, wenn er in der Diktatur aufwacht.“
Für uns war es ein interessanter Abend. Einen Zeitzeugen von seinen Erlebnissen während des Krieges reden zu hören, war sehr bewegend. Er hat uns das etwas näher gebracht, was wir uns nicht vorstellen können in heutiger Zeit.

Raphael Wohlers


2. Schüler*innenbericht über die Podiumsdiskussion mit der Fragestellung "Wem gehört die Erinnerung an Ostpreußen?"

Ostpreußen: Ein Landstrich zwischen Weichsel und Memel mit einer bewegten multinationalen Geschichte geprägt von Flucht und Vertreibung.
Anlässlich der Wiedereröffnung des Ostpreußischen Landesmuseums nach einer drei jährigen Umbauphase durften wir, der Geschichtskurs auf erhöhtem Niveau unter der Leitung von Frau Flügge, eine Diskussion zur oben genannten Frage lauschen. Nach einer kurzen Einführung durch Dr. Andreas Kossert (Autor und Historiker) leitete dieser die anschließende Diskussion, an der Frau Kurowska (Vorsitzende der Stiftung Borussia in Allenstein/Olsztyn – heute Polen), Frau Schpiljowa (Direktorin des Stadtmuseums in Tilsit/Sowetsk – heute Russland) und Herr Dr. Mähnert (Direktor des Ostpreußischen Landesmuseums) teilnahmen.
Der Verlauf der „Diskussion“ irritierte uns – es waren vielmehr Fragen und Antworten, wobei die Teilnehmer*innen sich jedoch kaum aufeinander bezogen. Vielmehr vermissten wir als Zuhörer*innen Differenzen, die bei einem solchen Thema zu erwarten waren. Für uns waren unterschiedliche Positionen nicht zu erkennen.
Frau Kurowska und Frau Schpiljowa äußerten sich eher zögerlich, was keineswegs störend war, jedoch der geschichtspolitischen Stimmung in Russland, aber auch in Polen - unserem direkten Nachbarn – vermutlich entspricht. So vermuten wir, dass Herr Dr. Kossert mit seiner Fragestellung auch eine gewisse Verantwortung für die ausländischen Gäste übernahm.
Eigentlich hatte es sich das Ostpreußische Landesmuseum zur Aufgabe gemacht, das Erbe Ostpreußens in Zusammenarbeit mit den polnischen, russischen und litauischen Partnern tabulos und unverkrampft entdecken, diskutieren und präsentieren zu wollen. Aufgrund der sich jedoch dramatisch verändernden politischen Lage in Polen und Russland und deren sehr national gefärbten Geschichtsschreibung, die lediglich einer Legitimation der eigenen Geschichte dienen soll, wird eine Zusammenarbeit vermutlich in absehbarer Zeit sehr schwer fallen.
Aber auch in Deutschland sind die nationalen Geschichtsauffassungen noch nicht endgültig verblasst oder sie drohen wieder aufzusteigen. Deutlich wurde dies, als eine ältere Frau dem Kommentar Dr. Mähnerts, die polnische Geschichtsschreibung sei zwar gut, aber man brauche auch definitiv eine deutsche, mit Beifall belohnte. Als die Frage seitens Dr. Kosserts aufkam, ob man nicht auch ein multinationales, gemeinsames Museum errichten könne, verließ die besagte Frau deutlich empört das Gebäude. Durch stärkere gemeinsame Zusammen- und Projektarbeit sollte es möglich sein, die Erinnerungskultur für alle Beteiligten zu beleben und zu teilen. Wenig Hoffnung macht hier das Nichterscheinen des russischen sowie polnischen Botschafters bei der feierlichen Eröffnung des Museums. Beide erschienen im Gegensatz zu ihren baltischen Kollegen nicht, obwohl sie herzlich eingeladen waren.   
Schlussendlich lässt sich es sich nur hoffen, dass die Geschichtsschreibung wieder mehr Objektivität anstrebt – bei unseren östlichen Nachbarn, aber auch hierzulade. Wir danken ebenfalls Frau Flügge für die Bemühungen, uns mit diesem durchaus auch aktuellen Thema auseinanderzusetzten, mündig zu werden und sich eine eigene Meinung bilden zu können.
Und wem gehört jetzt die Erinnerung an Ostpreußen? Sag Du es uns.

Finn Gröbel und Charlotte Blanck

PS: Die abgebildeten Fotografien wurden der Gruppe vom Ostpreußenmuseum zur Verfügung gestellt.




Aktualisiert am 14.12.2018 15:06:27
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